Es zählt zu den bleibenden historischen Wunden der Altwiener Seele, dass ausgerechnet der Wiener Walzerkönig Johann Strauß als deutscher – Coburger – Staatsbürger starb. Strauß war der Familie Coburg zeitlebens in Freundschaft verbunden, weilte immer wieder im Palais Coburg an der Wiener Ringstraße und widmete den Coburgs auch so manche Komposition. Die Dokumentation von Günter Kaindlstorfer erzählt die Geschichte des Wiener Palais Coburg anhand der Lebenslinie von Johann Strauß. Der Wechsel seiner Staatsbürgerschaft hatte einen Herzensgrund: nur so konnte er die Scheidung von seiner zweiten Frau durchsetzen, die im österreichischen katholischen Eherecht nicht möglich war.
Das Hotel Sacher ist Zentrum der Wiener Gesellschaft in einer Zeit, in der Mitteleuropa einen nie dagewesenen Umbruch erlebt. Der Film von Beate Thalberg räumt mit manchem Klischee auf und erzählt davon, wie es sich für Gäste und Besitzer des Hotels anfühlt, eine entscheidende Epoche mitzugestalten: Boom und Krise der Gründerzeit, die Blütezeit der „Wiener Moderne“, technische Neuerungen, die das private Leben tief verändern und rasant beschleunigen. Anna Sacher führt ihr Hotel als einfallsreiche Unternehmerin und erwirbt als Wissensträgerin unter den Eliten Österreichs große Macht. 1930 übernimmt die Familiendynastie Gürtler das Königreich „Sacher“. Die Nachfolger erkennen die Story hinter dem Mythos und erzählen sie weiter. So wird Fünf-Sterne-Luxus in der Anmutung eines Jahrhundertwende-Palais zu einer Zeitkapsel inmitten globalisierter Gleichschaltung.